Ethik, Moral und Desinformation im Zeitalter der Digitalisierung
2019-10-24, 16:00–16:45, Saal 1

Wo bleiben Ethik und Moral in der Digitalisierten Welt - und wie sind diese Begriffe im Zusammenhang mit Information einzuschätzen. Wie weit beeinflussen Netzwerke und Kybernetik den Fluss von Information und wie schlägt Information ins Gegenteil um?


Ethik und Moral

Ethik wird im allgemeinen Sprachgebrauch gerne synonym mit dem Begriff der Moral verwendet. Ein Blick auf die eigentliche Bedeutung zeigt, dass die Ethik sich als Wissenschaft mit den Bedingungen und der Bewertung von sittlich begründbarem Handeln von Menschen auseinandersetzt. Dies verlangt zwar ausgiebige Reflexion von moralischem Handeln, ist jedoch keineswegs mit der Bedeutung von Moral gleichzusetzen.


Ethik untersucht gleichsam die „Bedingung der Möglichkeit“ unterschiedlicher moralischer Normen und versucht, allgemein gültige Aussagen zu finden, die auf alle zwischenmenschlichen Handlungen anzuwenden sind.
 Ethik ist somit als reflexive (wissenschaftlich beobachtende) Betrachtung moralischer Regeln zu verstehen und stellt die Frage nach dem richtigen Handeln („an sich“).

Eine kurze Darstellung zweier ethischer Prinzipien soll dies verdeutlichen :)

Digitalisierung

Nimmt man diese Prinzipien als Maßstäbe für ethisches Handeln, so stellen sich mit den Auswirkungen der Digitalisierung Fragen ob und wie diese Prinzipien hintergangen werden. Beispiele sollen diese Problematik verdeutlichen.
Kybernetik (Cyber ... / Steuerung) nutzt u.A. die Theorien der Netze zur Erhöhung von Effizienz bezogen auf Informationsfluss und Nutzung von Verhaltensdaten. Inwieweit dies mit Ethik und Moral korreliert wird thematisiert.

Netzwerke

Netzwerkartige Strukturen finden man:

im Internet als technische Basis, als Struktur der Verlinkung von Webseiten oder in der Form von Kommunikationswegen

in der Gesellschaft als soziale Struktur - im Wirtschaftsleben als aktive Tätigkeit der Geschäftsanbahnung = Netzwerken

beim Lernen als Artificial Neural Networks

netzwerkartige Strukturen und Abläufe findet man in der Biologie, bei der Beobachtung menschlichen Mobilitätsverhaltens und bei der Verbreitung von Viren (sowohl im technischen als auch im biologischen Bereich)

Die „Ökonomie der Aufmerksamkeit“ bevorzugt gut vernetzte Knoten. Dies ist ein Prinzip, das Menschen täglich in Wirtschaft und Gesellschaft begegnet. Als Synonyme dafür mögen Begriffe wie Starrummel und Main-Stream plausibel erscheinen. Robert K. Merton hat dies als Matthäus Effekt in Anspielung an das Matthäus Evangelium 25,29 (Wer hat, dem wird gegeben...) bezeichnet. (p 59 - 63 Science Nr. 159 1968)

Wie sich dies heute auswirkt beschreibt die emeritierte Harvard Business School Professorin Shoshana Zuboff in ihrem Buch „Zeitalter des Überwachungskapitalimus“.

Desinformation

Warum sind diese Netzwerk-Hubs so erfolgreich?

Einerseits aus Sicht der „Ökonomie der Aufmerksamkeit“, andererseits - dies hat der Sozialtheoretiker Niklas Luhmann dargelegt - auf Basis der Erwartungen, die wir alle an diese Dienste stellen.

Nach Marshall McLuhan, der als Medientheoretiker die Mediendiskussion in den späten 60er Jahren des 20. Jahrhunderts prägte, ist es nicht nur die Information, die uns beeinflusst. Er vertrat die These, dass Menschen sowohl Sprache und Schrift als auch Medien - in der Zeit von Radio, TV und digitalen Medien selbstverständlich auch diese - als Werkzeuge zur Erweiterung ihrer Sinnesorgane verwenden. Dies stört das bis dahin gewohnte Zusammenwirken der Sinne und erfordert einen Adaptionsschritt.

Hierzu kommt, dass nach wie vor der Satz „Bad News are good News“ seine Gültigkeit hat.

Dies ist auch Grundlage der Möglichkeit, gezielt Falschinformation zu verteilen und über diverse Kanäle zu verstärken. Aus dieser Sicht wird durch digitale Desinformation die mögliche Entscheidungsfreiheit eingeschränkt.

Mögliche Lösungen 
in einer immer komplexer werdenden Welt:

Einigung über Regelungen in der Welt digitaler Information - so etwas wie eine digitale Verfassung
 (nicht gemeint damit sind so etwas wie Selbstbeschränkungen von Unternehmen)

für den/die Einzelne/n:

Medienkompetenz, Wissen um die Mechanismen und differenzierter Medienkonsum